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Ein Beitrag aus Heft 3/2018 unserer Mitgliederzeitschrift Das KEHRWASSER.

Völlerei in der Oberpfalz

Entdeckertour Oberpfalz (Naab, Regen, Vils)

Für das verlängerte Wochenende mit dem Tag der Deutschen Einheit stand eine Entdeckertour in die Oberpfalz im PKH-Programm. Die erste Entdeckung meinerseits war, dass die Oberpfalz nicht in der Nähe der Pfalz (Rheinland-Pfalz, südwestlich von Frankfurt) liegt, sondern in Bayern, nördlich von Regensburg.

Prioritäten

Da die Anfahrt mit Booten auf dem Auto rund sechs Stunden dauert, war für den Anreisetag, Freitag 28.10., keine Paddeltour geplant. Wir hatten uns für die PKH untypische Weichei-Variante mit Übernachtung im Gasthof entschieden. Es war ein Familienbetrieb mit Restaurant und Pension, und so testeten wir gleich am ersten Abend das „Bayrische Schmankerlnbüfett“. Das WLAN-Passwort der Pension lautet „Schweinshaxn“, so dass die Prioritäten im Restaurant klar waren. Vegetarier überspringen besser den Abschnitt! Um Punkt 19 Uhr ertönte vom Seniorchef, gelernter Metzger, ein „Habe die Ehre, Herrschaften. Das Büfett ist eröffnet.“ Und dann wurde gespachtelt. Würstchen (die bestgewürzten, die ich je gegessen habe), Kraut, Minihax`n, Lebergulasch (butterzart), Bratkartoffeln, verschiedene kalte Schinken und Braten, Mett, Käse ... Und wie das so ist an leckeren Büfetts, man isst viel zu viel. Deshalb mussten wir notgedrungen auch noch die ortsüblichen Schnäpse namens Bärwurz, Blutwurz (wird angezündet) und Hollerdau vergleichstrinken. Wir hatten es ja nicht weit ins Bett.

Samstag: Paddeln auf der Naab von Münchshofen bis Pielenhofen, 26 km

Es gibt auch nette Angler

Nach einem ausgedehnten Frühstück (nur zwei von uns hatten sich an die Weißwürschtel herangewagt), starteten wir fast beim Gasthof unterhalb eines Wehres. Dort hat es sich ein älterer Angler im Klappstuhl bequem gemacht. Er macht bereitwillig für uns Platz, hilft dem letzten Boot ins Wasser und wünscht uns einen schönen Tag. Schau an, die gibt es auch in nett! Die Naab ist auf der Strecke meist sehr breit, und man hat einen schönen Blick in die leicht hügelige Landschaft. Die eine oder andere Burg taucht auf und eine Strecke mit felsigen Steilwänden bietet Fotomotive. Zwei suboptimal zu umtragende Wehre kosten uns viel Zeit, die Strömung ist eher mau und die Strecke lang. Mit Autos versetzen sind wir erst um 18 Uhr wieder im Gasthof.

Und da wartet um Punkt 19 Uhr das Grillbüfett. Ähnliche Zeremonie wie am Tag zuvor, es werden Krustenbraten und Hax'n aufgefahren, Klöße, Kraut und ein Alibi-Salat-Büfett. Ich hab noch nie eine so köstlich, krustige Kruste gegessen! Der Rest des Abends ist vorstellbar. Auch am Start beim Büfett: die Mitglieder eines Vereins, deren Jacke die Aufschrift www.rute-raus.de trugen. Wir hoffen, dass es sich um einen Angelverein handelt ...

Sonntag: Paddeln auf der Vils von Amberg bis Rieden, 20 km

Sieben Paddler, sieben Wehre

Die Vils ist auf der Strecke deutlich schmaler als die Naab am Tag zuvor. Nach der Ortsdurchfahrt durch das mittelalterliche Amberg wird es ländlicher. Zum Ende hin haben Renaturierungsmaßnahmen einen fast unberührt wirkenden Auenwald geschaffen. In schöner Regelmäßigkeit können wir uns die Füße bei einer Wehrumtragung vertreten. Da ist alles dabei: steile Grasufer zu hohen Betonstegen, Überheben auf trockenen Wehrkanten mit morscher Holzbootsrutsche, treideln mangels Wasser usw.

Mein Freund und ich sind vor einiger Zeit auf genau diesen Strecken den Fünf-Flüsse-Radweg geradelt. Der Fahrradtourismus scheint erheblich lukrativer zu sein, denn das Radwegenetz ist super ausgebaut, und es ist sogar Geld für jede Menge Schilder da. Die fehlen auf den Flüssen meist völlig oder sie kennzeichnen Ein-und Ausstiegsstellen, die ein Paddler so nie gebaut hätte.

Kurze Notiz: Abends essen beim Italiener, um dem Magen etwas Erholung zu bieten.

Montag: Paddeln auf dem Regen von Nittenau bis Ramspau, 20 km

Das Unheil lauert unter Wasser

Die Besonderheit auf diesem Flussabschnitt sind riesige Felsbrocken mitten im Fluss. Die, die rausgucken, sind eher nicht das Problem, da kaum zu übersehen, sondern die Felsen knapp unter Wasseroberfläche. Bedingt durch den flachen Wasserstand, waren es ein paar Probleme mehr. Nach unserer Pause am einzigen! Wehr des Tages ging es richtig los. Man musste schon ganz genau hinsehen, um an leichten Wasserkräuselungen Steine unter Wasser zu erkennen. Diese Art von Geschicklichkeitsfahren rief nicht bei allen Begeisterung hervor, und nach diversen Aufsetzern versuchten wir es mit der Taktik „Entenfamilie“, um den Schaden in Grenzen zu halten. Ich fuhr vorweg (mein Boot ist eh schon komplett zerschrammt) und suchte die Linie. Das hat auch ganz gut funktioniert (und mir persönlich richtig viel Spaß gemacht).

Um kürzere Strecken beim Versetzen zu haben, haben wir an diesem Tag nochmal das Quartier gewechselt. Abends, ihr wisst schon: deftige Oberpfälzer Küche.

Dienstag: Paddeln auf dem Regen von Cham bis Roding, 22 km

Irgendwas ist immer

Die Strecke war denkbar harmlos, kein Wehr, nur ein ordentlicher Brückenschwall. Allerdings hatte es sich rapide abgekühlt und ein scharfer, eisiger Wind kam von vorne. Ich habe tatsächlich meine Paddelpfötchen vermisst. Die Strecke war in zügigem Tempo erledigt, nur wird man zum Schluss vielleicht etwas unaufmerksam, und einer von uns hat sich nochmal richtig mit einem Stein angelegt. Das hatte dann ein Loch im Boot zur Folge.

Abends haben wir dann auch das kulinarische Muss Schäuferle (Schweineschulter) der Oberpfälzer Spezialitäten abgearbeitet. Danach haben wir uns eine Salatwoche geschworen.

Mittwoch war Abreise, was uns bei kaltem Nieselwetter nicht schwer fiel. Fazit: Ein schönes Paddelrevier, nur leider soo weit weg.

Kanuausbilder
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Paddel-Klub Hannover e.V.
Schützenallee 30
30519 Hannover

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