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Ein Beitrag aus Heft 2/2017 unserer Mitgliederzeitschrift Das KEHRWASSER.

Safety Extreme im PKH (PKH - SEx)

"Kajakfahren ist mehr als Sport- und Zeitvertreib. Kajakfahren ist Abenteuer.

Und dazu gehört, dass der Ausgang eines Unternehmens nicht sicher, nicht unbedingt planbar ist. So hoch auf der einen Seite Erfolg und Bestätigung, Hochgefühl und Glück sind, so schwer wiegen auf der anderen Seite Niederlage, Bedrohung und Unglück. In nur wenigen Lebensbereichen ist der Grat zwischen Erfolg und Tod so schmal.“

Dieses Zitat beschreibt zwar etwas pathetisch, aber passend, dass Kanufahren mit erheblichen Gefahren verbunden sein kann. Dagegen hilft PKH-Sex – Safety Extreme beim PKH. Was es mit dem Sicherheitstraining für Extremfälle auf sich hat und wie es abläuft, ist im Folgenden zu lesen.

Risiko fährt mit

„Schlecht ausgerüstete und zur Hilfe unfähige Begleiter sind eine unerträgliche Belastung für jedes WW (Paddel) -Team.“ Das gilt natürlich nicht nur Wildwassertouren – auch bei Flusswanderfahrten oder Seekajak-Touren fährt ein gewisses Risiko immer mit. Schließlich trennt uns alle nur ein Stück Plastik von einer eigentlich lebensfeindlichen Umgebung. Wie schnell rauscht mal ein Wanderpaddler im Frühjahrshochwasser unter überhängende Bäume, reißt auf einer Großgewässertour die Manschette vom Trockenanzug, wird ein Teilnehmer seekrank. Dann haben die Mitpaddler hoffentlich die richtigen Ideen und passende Ausrüstung parat.

Sicherheitsworkshops sollen den Werkzeugkasten und Ideen liefern, damit man im Ernstfall den richtigen Knoten, die passende Bergetechnik oder auch lebensrettende Maßnahmen einleiten kann. Bewusst wird dabei auch viel behelfsmäßig geübt – in den seltensten Fällen hat man schließlich eine komplette Bergsteigerausrüstung oder Notarztkoffer dabei. Hier ist dann oft Improvisation à la „MacGyver“*) gefragt.
Eine erste Workshop-Sequenz und ein Erste-Hilfe-Spezial haben wir im März durchgeführt.

Seil- und Knotentechnik

Nach einem theoretisch/praktischen Grundkurs in alpiner Seil- und Knotentechnik ging es zu zwei praktischen Einheiten in die Sporthalle an die Sprossenwände. Da genügend kompetente Trainer dabei waren, konnten wir an zwei Stationen parallel üben. Da wurden dann die diversen Knoten und Techniken beim Ab- und Aufseilen praktisch erprobt – was auch gleich für einige Aha-Effekte sorgte: So lässt sich der altgediente Prusik-Knoten nach Belastung nicht so leicht wie zum Beispiel ein Franz-Bachmann-Bandschlingenknoten nachschieben. Einige Teilnehmer waren von unseren Turnübungen in der Vertikalen so angetan, dass sie am liebsten gleich zu einem Kletterausflug in den Harz oder Ith aufgebrochen wären.

Bergung bei Paddelunglück

Im zweiten Teil haben wir die landgestützte Bergung eines verunglückten Paddlers aus einem „Vertical Pin“ (Steckunfall in Stufe) und verschiedene Flaschenzugtechniken geübt. Auch hier konnte man viele Erkenntnisse dazu gewinnen, welches Material man am besten am Mann bzw. im Boot mitführt.

Erste Hilfe für Paddler

Am 25. März hatten wir dann zu einem Erste-Hilfe-Spezialkurs für Paddler/Wassersportler geladen. Hierzu haben wir uns fachkundige Unterstützung von den Wasserrettern des Deutschen Roten Kreuzes Hannover geholt. Ziel war weniger ein allgemeiner Ersthelfer-Kurs à la Führerscheinprüfung, als konkret auf mögliche Unfallsituationen von Paddlern einzugehen. So lag der Schwerpunkt auf Reanimation. (Merke: 30 x drücken (120/min), 2 x beatmen. Im Zweifel ist drücken wichtiger als beatmen!) Aber auch Handlungsoptionen bei Schnittverletzungen, Prellungen, Brüchen, Schädel-/Hirntrauma und Unterkühlung kamen nicht zu kurz. Der Experte vom DRK führte uns vormittags sehr kurzweilig durch die Theorie mit vielen praktischen Einlagen.

Für Rettungskette sorgen

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt war die Rettungskette. So reicht es oft nicht, nur Erste Hilfe zu leisten – auch die richtige Absicherung und Information der professionellen Rettungskräfte muss sichergestellt werden. Für uns haben wir mitgenommen: Die PKH-Fahrtenleiter müssen die Mitfahrenden immer so genau über die geplante Paddelstrecke (Bach, Abschnitt etc.) informieren, dass jeder beim Notfall-Hilferuf angeben kann, wo etwas passiert ist. Auch der Fahrtenleiter kann mal in Trouble geraten!
Das Wetter meinte es an dem Tag sehr gut mit uns, und so ging es in der Mittagspause raus auf die Wiese. Das PKH-Catering funktionierte hervorragend. Klasse, wie alle ihren Teil zum Gelingen beigetragen haben, sei es bei Beschaffung/Einkauf, beim Kuchen/Salate-Vorbereiten oder als Barbecue-Master.

Praxis in der Leine

Höhepunkt am Nachmittag waren dann praktische Übungen unter (Fast-) Realbedingungen:
abschleppen/bergen eines bewusstlosen Schwimmers aus der Leine, anschließend Reanimation/Lagerung/Transport, wie wir es vorher im kleinen Saal geübt hatten. Drei Freiwillige haben dazu unermüdlich abwechselnd „Retter“ und „Opfer“ in den verschiedensten Lagen gespielt und waren aus der Leine fast nicht mehr rauszubekommen.

Fazit

Ein sehr gelungener Tag. Wir waren uns einig – so etwas sollten wir häufiger anbieten! Alle haben viel gelernt, sogar unser Instruktor konnte einiges von uns Paddlern mitnehmen. Die nächste gemeinsame Aktion mit den Wasserrettern haben wir schon ins Auge gefasst.

*) Hinweis für alle, die die beliebte Vorabendserie der 90er-Jahre nicht kennenlernen durften: Mindestens einmal pro Film kommt der Protagonist der Serie Angus MacGyver in eine schier ausweglose Situation, aus der er sich dann regelmäßig heftigst improvisierend befreit (Abseilen an Schnürsenkeln, Flugzeug aus Betonmischer bauen usw.)

Kanuausbilder
Aktiv für Familien
Kanustation
Aktiver Verein
Paddel-Klub Hannover e.V.
Schützenallee 30
30519 Hannover

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