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Ein Beitrag aus Heft 2/2017 unserer Mitgliederzeitschrift Das KEHRWASSER.

Baltrum, die erste

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt oder: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Start-in-die-Saison-Tour „Rund-Baltrum“ hat im PKH ja fast Chancen, ein Klassiker zu werden. So hatten wir auch dieses Jahr ein Wochenende rausgesucht, an dem die Tide gut stehen würde. Stand sie im Prinzip auch, wenn nur der Wind wäre.

Der Plan

Am Samstag, 17.März sollte morgens um 9.17 Uhr Niedrigwasser sein – das passt, um sich noch von Dornumer Siel bis zum östlichen Seegatt rausziehen zu lassen. Dann seeseitig bis Baltrum West, Frühstückspause im Inselmarkt und nachmittags mit der Flut wieder wattseitig zurück.. Soweit der Plan.

Freitagabend ging’s dann hoch zur Küste, Unterbringung standesgemäß in der Pension Wikinger und finale Vorbesprechung bei einer abendlichen Pizza. Wind und Wetter hatten wir stets im Blick – ein vagabundierendes Tief wanderte schon die ganze Woche über unweigerlich in Richtung Freitagnacht/Samstagmorgen. Es war ordentlich Dünung in der Deutschen Bucht angesagt, so dass wir kurzfristig auch noch die Helme eingepackt hatten, falls wir in Baltrum West auf entsprechende Brandung stoßen sollten. Für die Nacht war Windstärke 6 bis 7 angesagt, die sich aber zum Samstag legen sollten.

Krisensitzung bei Windstärke 6 bis 7

Morgens um sechs Uhr dann Krisensitzung. Der Wind wollte sich nicht legen, hatte sich eher zu Sturmstärke entwickelt – aber am besten schaut man sich das ja direkt vor Ort an. Wir also im vollen Ornat von der Pension zum Einsatz im Hafen Dornumer Siel. Im Windschatten vom Deich war es noch ganz moderat – auf der Deichkante allerdings fehlte nicht viel zum Wegfliegen. Sturmböen aus West ballerten übers Wattwasser und erzeugten einen Gischtnebel über dem Wasser, der uns ahnen ließ, was uns wohl im Boot blühen würde. Einbooten wäre sinnlos gefährlich gewesen, daher – Abbruch!

Die Hunte hat auch ihren Reiz

Erster Frust macht sich breit. Zur Beratung gehen wir erstmal in den nächsten Bäckershop und überlegen. Einer hat die Idee, das norddeutsche Kleinfluss-Wiki zu kontaktieren. So wurde unser Wanderwart um sein samstagmorgendliches Ausschlafen gebracht, wir aber um einen Tipp reicher. Die Hunte lag in erreichbarer Entfernung. Jemand erinnerte sich auch noch vage an eine Befahrung vor vielen Jahren, ein WLAN-Hotspot war schnell eingerichtet, und mit Google-Maps entstand ein erster Plan: Hunte von Wildeshausen bis kurz vor Astrup.

Länger als gedacht

Na ja – nicht ganz Nordsee, aber besser, als gar nicht mehr Paddeln an dem Tag. Und so hatten wir alle viel Spaß auf der Hunte. Anfänglich gab es noch Kanupolo-Einlagen mit Seekajak und einem gefundenen Ball – da dachten alle noch, dass wir so rund 20 km vor uns hätten. Später wusste keiner mehr so genau, wer dieses 20 km-Gerücht in die Welt gesetzt hatte. Nachdem wir in der ersten Pause und genauerem Konsultieren unserer Navigationsgeräte feststellen mussten, dass uns doch recht ernsthafte 30 km Flusswandern erwarten, wurde wieder etwas konzentrierter vorwärts gepaddelt. Einige Kameraden ließen sich trotzdem nicht von kleineren Einlagen wie „assistierter Wiedereinstieg“ oder „Eskimorettung“ auf der Hunte abhalten. So blieb der Spaß- und Adrenalinpegel auf angemessenem Niveau – nur Baltrum muss sich noch etwas gedulden. Am 12./13.Mai soll die Tide wieder gut stehen …

Paddeln ist und bleibt Natursport! Trotz bester Wettervorhersagen und aller möglichen elektronischen Helferlein bleibt immer noch etwas Ungewissheit/Unsicherheit, auf die man kurzfristig reagieren muss. Das ist auch gut so, sonst würde es ja langweilig werden. Man muss dann auch nur – ähnlich wie manchmal Bergsteiger auf den Gipfelerfolg – mal auf eine Tour verzichten, oder eben umplanen.

Baltrum reloaded

Am 12.5. brach tatsächlich fast die gesamte Mannschaft der ursprünglichen PKH-goes-rund-Baltrum-Tour zum Nachholtermin auf. Wir hatten die Tour leicht modifiziert. Anstatt an Land zu übernachten, wollten wir noch am Anreisetag übersetzen und am Baltrumer Segelclub biwakieren. Wir sind zwar am Freitag wie geplant um 15 Uhr in Hannover losgekommen, aber wegen des Verkehrs kamen wir erst nach viereinhalb Stunden am Seglerhafen Dornumer Siel an. Santiano gab an dem Abend ein Livekonzert in Aurich, ein Grund mehr für volle Straßen.

Anfahrt von See her

Abends war mit Gewitterneigung zu rechnen. Wir hatten daher kurzfristig das Pause-Trockenfallen auf dem Wattrücken gegen die seeseitige Anfahrt getauscht. Bei Gewitter hätten wir im Watt festgesessen, seeseitig wäre uns immer noch die Flucht zum Strand geblieben. Viel zu spät kamen wir dann aufs Wasser. Niedrigwasser war schon durch, und unsere A-Schein-Anwärterin machte sich ernsthaft Sorgen über unsere Törn-Planung.

Am Seegatt hatten wir in der Tat mit reichlich Strömung durch die auflaufende Flut zu tun. Treibenlassen war nicht drin, dann ging’s sofort mit über zwei Stundenkilometern rückwärts – aber alles kein großes Problem für die gestählten PKH-Paddler.

In Aurich spielte die Musik, bei Baltrum war die Show

Vorher konnten wir noch wirklich epische Momente beim Sonnenuntergang erleben –einfach nur staunen, nix mehr quatschen. Bei mir lief parallel der Santiano-Soundtrack im Kopfkino. „In Aurich spielt jetzt die Musik“, dachte ich, „aber hier ist die Show!“

Befeuert wurde das Ganze noch von Gewittern im Westen und später südöstlich von uns – eine einmalige Szenerie, die aber trotzdem natürlich sehr aufmerksam und auch etwas besorgt von uns beobachtet wurde.

Bei Nacht in den Baltrumer Hafen

Um Mitternacht gingen dann eine spannende Nachtfahrt entlang Baltrums Nordseite zu Ende und wir im Hafen an Land. Während des Zeltaufbaus glühten schon mal die Kohlen auf dem mitgebrachten Grill durch - dann war Nachtgrillen angesagt. Dazu noch Unmengen an Antipasti, Sesamkringel, Salate – bis auch der/die Letzte so gegen zwei Uhr pappsatt ins Zelt rollte.

Samstag ging’s dann nach einem ausführlichen Frühstück in der Inselbackstube mit einem kleinen Pausen-Abstecher zum West-Strand von Langeoog (restliche Antipasti vertilgen) zurück zum Dornumer Siel. Kaum zu glauben, dass wir weniger als 24 Stunden weg waren!

Man kann auch mal richtig Glück haben – mit diesen Natursportarten!

Kanuausbilder
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Paddel-Klub Hannover e.V.
Schützenallee 30
30519 Hannover

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